Besonderheiten der deutschen Sprache

Up-date: 02. Mai 2021

Starke und schwache Verben

Ihr habt euch sicher schon einmal Gedanken über starke und schwache Verben gemacht? Zur Erinnerung: es geht nicht um körperliche Stärke oder Muskeln, sondern um Besonderheiten der deutschen Sprache, die – wie häufig – bis zu den germanischen Vorfahren in Deutschland zurückreichen. Der Begriff „starkes Verb“ wurde von einem Sprachforscher Anfang des 19. Jahrhunderts geprägt. Inzwischen hat sich die Bezeichnung  „unregelmäßige Verben“ durchgesetzt.

Starke Verben - schwache Verben - deutsche Grammatik
Bist du stark oder schwach?

Schwache Verben

Was sind starke Verben? Sie unterscheiden sich bei der Bildung von drei Tempora (Zeitformen), in diesem Falle beim Infinitiv, Präteritum und Partizip Perfekt. Fangen wir zunächst jedoch bei den „schwachen Verben“ an. Da werden diese drei Zeitformen sehr einfach gebildet – als Beispiel nehme ich „kochen“.

      • kochen (Infinitiv)
      • ich koch-te (Präterium) – da wird ein „t“ mit der entsprechenden Endung für ich, du, er/sie/es usw. angehängt
      • ich habe ge-koch-t (Partizip Perfekt) – die Vorsilbe „ge“ und das End „t“ macht das Partizip Perfekt aus

Als übergreifendes Merkmal siehst du hier, dass der Wortstamm – in unserem Beispiel: „koch“ – und damit der Stammvokal „o“ unverändert bleiben. Die Veränderung für die Tempora geschieht also durch die Verwendung von Vor- oder Nachsilben.

Starke oder unregelmäßige Verben

Komplizierter wird es nun bei den „starken Verben“, weil in den verschiedenen Zeitformen eine Änderung des Stammvokals stattfindet, zB: singen, sang, gesungen. In der grammatischen Fachsprache heißt dieser Wechsel auch Ablaut. Es bedeutet, dass der Vokal im Wortstamm geändert wird, wie bei „singen“: „i“, „a“ und „u“.

Die starken Verben wurden „früher“ in sieben Untergruppen eingeteilt, wobei es eine Regelmäßigkeit bei der Veränderung des Stammvokals gab . Als Beispiel nehmen wir die vierte Untergruppe mit dem „e“ im Infinitiv: stehlen, stahl, gestohlen, also „e“, „a“ und „o“. Dies gilt „im Prinzip“ für alle starke Verben mit einem „e“ im Infinitiv. Daneben siehst du, dass im Präteritum nur der Vokal wechselt, im Partizip Perfekt zusätzlich zum Vokalwechsel als Präfix das „ge“ und als Suffix „en“ verwendet wird. Mit der jahrhundertealten Sprachentwicklung verwässerte sich das ursprünglich starre System in eine Liste von etwa 170 Verben. Die „starken Verben“ werden inzwischen als „unregelmäßige Verben“ bezeichnet – und kommen damit der Wirklichkeit auch näher.

Ehe ihr nun die (nicht mehr) vollständigen Regeln der verschiedenen Ablautklassen lernt, empfehle ich für den praktischen Gebrauch eine Liste der unregelmäßigen Verben runterzuladen.

Die Gesellschaft zur Stärkung der Verben

Hier gibt es noch einen lustigen Ausblick auf den Kampf zwischen schwachen und starken Verben. Die „Gesellschaft zur Stärkung der Verben“ hat sich der Aufgabe verschrieben, die deutsche Sprache durch die kreative Wiederbelebung von ehemals schwachen Verben bunter und lebendiger  zu machen. Es gibt wunderbare Beispiele, um der sprachlichen Verödung Paroli zu bieten – was haltet ihr vom Beispiel „abspacken“: spak ab, spick ab und abgespocken. Wunderbares Deutsch! Es gibt auch eine Rote Liste von bedrohten Verben.

Wer also eine schöpferische Abwechslung bei seiner Hausarbeit nötig hat, schaut hier mal vorbei. Allerdings weise ich daraufhin, dass diese Schöpfungen noch keinen Eingang in die „Mehrheitsgesellschaft“ gefunden haben.

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